Der Deutsche Mieterbund Nordrhein-Westfalen (DMB NRW) appelliert an die NRW-Landesregierung, die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Kürzungen des Wohngeldes abzulehnen und in der am Freitag anstehenden Bundesratssitzung dagegen zu stimmen. „Von den geplanten Kürzungen des Wohngeldes wären allein in NRW rund 350.000 Haushalte betroffen. Ein großer Teil der Einsparungen geht zulasten der Kommunen. Denn viele Wohngeldempfänger*innen würden nach der Kürzung in die Grundsicherung fallen, deren Kosten die ohnehin finanziell stark belasteten Städte und Gemeinden mittragen müssen. Das ist sozialpolitisch falsch und finanziell kurzsichtig“, kritisiert Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des DMB NRW. „93 Prozent aller Wohngeldempfänger*innen sind Mieter*innenhaushalte, vor allem Rentnerinnen und Rentner, Familien mit Kindern und Alleinlebende. Diese Menschen verfügen über wenig finanziellen Spielraum und müssen angesichts steigender Wohnkosten dringend unterstützt werden.“
Zuvor hatten auch die im Bundesrat federführenden Ausschüsse für Wohnungswesen und Arbeit und Sozialpolitik eine Ablehnung empfohlen. Insbesondere die Tatsache, dass schätzungsweise 380.000 Haushalte aus dem Wohngeldbezug komplett herausfallen werden und künftig auf andere Sozialleistungen angewiesen sind, sorgt für Kritik. Der DMB geht deutschlandweit von bis zu 500.000 Haushalten aus, die im Zuge der Reform aus dem Wohngeldbezug herausfallen und auf andere Sicherungssysteme angewiesen sind.
„Dass die Bundesregierung ausgerechnet bei einer zielgenauen Leistung für Menschen mit niedrigen Einkommen kürzen will, ist nicht nachvollziehbar. Für den Tankrabatt wurden und werden Milliarden Euro ausgegeben, eine Summe, die in der Größenordnung eines Jahres Wohngeld liegt. Wer bezahlbares Wohnen sichern und Armut verhindern will, darf nicht bei denjenigen sparen, die am allermeisten auf Unterstützung angewiesen sind“, so Witzke.
Die Wohnungs- und Mietenkrise hat sich in Deutschland auf hohem Niveau verfestigt und wird zunehmend zur Sozialstaatskrise. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte Mietenreport des Deutschen Mieterbundes. Eine repräsentative Befragung im Rahmen des DMB-Mietenreports 2026 zeigt die wachsende Unsicherheit: 58 Prozent berichten von gestiegenen Wohnkosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate. 29 Prozent sorgen sich, ihre Miete künftig nicht mehr bezahlen zu können. Jede*r Zweite befürchtet, im Bedarfsfall keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden. Mehr als jeder vierte Mieter könnte die eigene Wohnung nach einem starken Einkommensverlust höchstens noch drei Monate halten.
Die wichtigsten Zahlen des aktuellen DMB-Mietenreports auf einen Blick:
- 52,8 % der Bevölkerung wohnen zur Miete.
- 78,4 % der armutsbetroffenen Menschen wohnen zur Miete.
- 58 % der befragten Mieter*innen berichten von gestiegenen Wohnkosten.
- 29 % sorgen sich, ihre Miete künftig nicht mehr bezahlen zu können.
- 50 % fürchten, keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden.
- 35,0 % der armutsbetroffenen Menschen sind extrem wohnkostenüberlastet.
- Rund 1,2 Millionen Haushalte bezogen Ende 2024 Wohngeld.
- Rund 1,03 Millionen Sozialwohnungen gab es 2025.
- Rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen in Deutschland.
Die Stellungnahme zum Wohngeld vom Deutschen Mieterbund finden Sie hier.
Den Mietenreport 2026 finden Sie hier.