Vonovia senkt die Gewinnprognosen für die kommenden Jahre aufgrund hoher Finanzierungskosten und weniger stark steigender Mieten. Zudem hat der Konzern Probleme, sein Verkaufsprogramm umzusetzen und Schulden abzubauen. Der Verschuldungsgrad ist in den letzten 12 Monaten sogar gestiegen, wie die heute veröffentlichten Quartalszahlen zeigen. Der Aktienkurs erreichte im Oktober 2026 ein Allzeittief. Eine Marktkapitalisierung von weniger als 14 Mrd. Euro, könnte Finanzakteure zu einem Einstieg einladen, wie vor wenigen Tagen bei der LEG Immobilien SE geschehen. Grand City und Goldman Sachs haben dort ihre Anteile auf jeweils knapp 30 Prozent erhöht. Die Mieter kommen dabei vom Regen in die Traufe oder von einer Traufe in die nächste.
„An der Börse werden die Wohnungen von Vonovia für nur noch Zweidrittel des Verkehrswerts gehandelt. Das weckt Begehrlichkeiten, wie jüngst bei der LEG. Der Staat muss der Gefahr einer Übernahme durch windige Finanzinvestoren vorbeugen und sollte selbst bei Vonovia einsteigen. Das Geschäftsmodell Vonovia ist am Ende: starke Expansion, Überbewertung der Bestände, maximale Mieterhöhung und hohe Ausschüttungen sind offensichtlich ein Irrweg, Leidtragende sind die Mieterinnen und Mieter,“ kritisiert Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes NRW.
Während die 530.000 Wohnungen von Vonovia mit einem Wert von 84 Mrd. Euro in den Büchern stehen, sind sie über die Börse für 14 Mrd. Euro zu erwerben. Hinzu kommen 40 Mrd. Euro Schulden. Also wären 54 Mrd. Euro aufzuwenden. Das entspricht rund 100.000 Euro pro Wohnung. Der Vergleich zum Börsenwert zeigt, wie abwegig die Idee von Innenminister Alexander Dobrinth ist, eine Vergesellschaftung zum Verkehrswert, also für rund 160.000 Euro pro Wohnung, gesetzlich festzuschreiben.
Die Überbewertung der Bestände führt auch dazu, dass Vonovia kaum Verkäufe zur angestrebten Reduktion der Schulden realisieren kann. Jeder Verkauf unter Buchwert erhöht den Verlust. Jüngst verkaufte das Unternehmen in Lüneburg 975 Wohnungen dennoch für 55 Mio. Euro. Vor zwei Jahren hatte Vonovia noch 90 Mio. gefordert und die Bestände nach Medienberichten auch intern entsprechend bewertet. Vonovia musste einen Abschlag von rund 38 Prozent in Kauf nehmen.
Die hohe Bewertung der Bestände ist auch für die Mieterinnen und Mieter nachteilig, weil in der Bewertung bereits kommende steigende Mieteinnahmen eingepreist sind. Dass Vonovia die Absenkung der Gewinnprognosen auch damit begründet, dass sich die Mietspiegel und die daraus folgenden Mieterhöhungen weniger dynamisch entwickeln, ist erstmal eine positive Nachricht.
Da Vonovia in den letzten zwei Jahren vermehrt Mieterhöhungen mit erfundenen Erhöhungsmerkmalen durchgesetzt hat und immer wieder versucht, die Mietspiegel auszuhebeln, sollte jeder Mieter und jede Mieterin ganz genau darauf achten, ob eine Mieterhöhung auch rechtens ist. Die örtlichen Mietervereine helfen.

